Emotionale Gewalt – Die blauen Flecken auf der Seele. Wie du sie erkennst und wie du das Beste daraus machst

Immer wieder spreche ich von „emotionaler Gewalt“ oder „emotionalem Missbrauch“. Ich habe die leise Ahnung, dass vielen überhaupt nicht bewusst ist, dass sie das betrifft.

Vielen wissen gar nicht, dass sie sich in einer toxischen, missbräuchlichen Beziehung befinden – weil sie es nicht anders kennen.

Die Chance, dass du bereits als Kind emotionale Gewalt erlebt hast (dir dessen nicht bewusst warst) und dich deswegen auch heute als Erwachsene in missbräuchlichen Beziehungen wiederfindest, ist hoch.

Das tückische an emotinaler Gewalt ist: man kann sie nicht sehen. Sie ist sehr subtil und wird oft von einem selbst, geschweigedenn von Außenstehenden, nicht erkannt.

Du hast keine blauen Flecken, kein geschwollenes Auge und du wirst auch nicht die Treppe runtergeschuckt. Du wirst nicht geschlagen, körperlich bedroht oder vergewaltigt. Emotionale Gewalt ist leise und unsichtbar. Und die Folgen davon sind nicht weniger schlimm.

 

Hier ein paar konkrete Beispielsituationen oder Beispielsätze von emotionaler Gewalt:

 

Emotionale Gewalt in der Kindheit und Jugend

 

  • Du weinst und anstatt getröstet zu werden, wird mit dir geschimpft. („Was ist denn jetzt schon wieder?!“ „Was heulst du denn schon wieder?“ „Immer heulst du!“)
  • Du weinst und ein Elternteil verlässt das Zimmer und lässt dich alleine.
  • Du äußerst ein Bedürfnis und wirst nicht ernst genommen oder ignoriert. („Das ist doch nicht so schlimm.“ „Hab dich nicht so!“ „Das ist halt jetzt so!“)
  • Deine Entscheidungen werden belächelt, mit Mimik oder Worten schlecht gemacht
  • Du malst ein Bild, zeigst es stolz deinen Eltern und du wirst nicht gelobt oder bestärkt, sondern dir wird gesagt, was du nicht gut gemalt hast
  • Du wirst angeschrien, wenn du etwas nicht gleich verstehst, z.B. die Mathehausaufgaben
  • Du wirst nur gelobt, wenn du etwas „gut“ gemacht hast, z.B. eine gute Note geschrieben hast. Liebe wird anhand deiner Leistung gemessen.
  • Wenn du über etwas erzählst, was du toll findest, wird es schlecht gemacht, belächelt, subtil kritisiert oder es wird sofort die eigene Meinung darüber kundgetan.
  • Wenn du dir etwas aussuchen möchtest (ein Kleidungsstück, ein Spielzeug, ein Schulheft) wirst du schnell „korrigiert“ und dir wird erklärt, warum das andere schöner oder besser ist (ohne, dass es einen tatsächlich plausiblen Grund dafür gibt).
  • Du wirst oft verglichen mit anderen Kindern, die in irgendwas besser/schlauer/schöner/toller sind als du.
  • Du sagst, dass du traurig bist und dir wird geanwortet „Sei nicht traurig.“
  • Du wirst nicht richtig in den Arm genommen oder getröstet.
  • Du wirst selten oder nie gelobt und bestärkt, für das, was du bist.
  • Wenn deine Eltern sich streiten, wirst du gegeneinander ausgespielt.
  • Deine Eltern tragen aggressive Streits miteinander vor dir aus.
  • Ein Elternteil redet schlecht mit dir über ein anderes Elternteil.
  • Deine Eltern sagen oder versprechen dir Dinge und halten sich nicht oder nur unregelmäßg daran und verleugnen dann, es dir jemals versprochen zu haben (das nennt man „Gaslighting“ und ist eine Form der Manipulation!)
  • Du musst in den Blockflötenkurs oder in den Skikurs, obwohl du dir jedes Mal die Augen ausheulst weil es dir überhaupt nicht gefällt. („Aber das machen alle so. Und es macht Spaß.“)
  • Auf deine emotionalen Bedürfnisse wird nicht oder nicht regelmäßig eingegangen.
  • In wichtige lebensverändernde Entscheidungen/Ereignisse wirst du nicht mit einbezogen und es wird dir nichts erklärt (Trennung der Eltern, Umzüge, Tod eines Familienmitglieds etc.) sondern es wird einfach über dich hinweg entschieden.
  • Es wird bei euch zu Hause nicht offen und respektvoll über Probleme, Gefühle oder Bedürfnisse geredet. Dinge werden unter den Teppich gekehrt oder es wird aggressiv gestritten.
  • Du wirst vor anderen Leute schlecht gemacht, kritisiert oder bewertet.
  • Es wird sich vor anderen über dich lustig gemacht oder über deine Figur kommentiert.
  • Es gibt sehr widersprüchliche „Erziehungsmethoden“ ohne transparente Regeln oder eine klare Linie. Die Regeln sind stimmungsabhängig von deinen Eltern. z.B: du darfst mit 13 Jahren abends so lange weg bleiben wie du willst, aber wenn du mit 17 Jahren deinen Freund nach Hause bringst, muss er im Gästezimmer schlafen. Du darfst Alkohol trinken, aber wenn du beim Rauchen erwischt wirst, wird eine Woche nicht mit dir gesprochen.
  • Entscheidungen die du triffst, die nicht den Vorstellungen deiner Eltern entsprechen, werden mit Liebesentzug oder Ignoriertwerden bestraft, z.B. du stichst dir ein zweites Ohrloch und es wird eine Woche nicht mehr mit dir gesprochen. (das ist passiv-aggressives Verhalten!)
  • Wenn du in den Augen deiner Eltern etwas gut gemacht hast oder besonders toll aussiehst, wirst du als Vorzeigeobjekt bei Bekannten benutzt.
  • Es wird in deine Privatsphäre eingedrungen, z.B. durch heimliches Belauschen deiner Telefongespräche, Lesen deines Tagebuchs oder Stöbern in deinen persönlichen Dingen während deiner Abwesenheit.
  • Ein Elternteil kommt mit Absicht ins Badezimmer, obwohl bekannt ist, dass du dort gerade duschst oder badest und du nicht nackt gesehen werden möchtest.
  • Deine Eltern entscheiden auch noch nach dem 18. Lebensjahr über Entscheidungen über deinen Körper, z.B: Piercings, Ohrringe, etc.
  • Du wirst intime Details zu deiner Liebesbeziehung oder über deinen Körper gefragt.
  • Es wird mit dir nicht offen und einfühlsam übers Erwachsenwerden und Frauwerden mit all den damit einhergehenden Thematiken gesprochen.

 

 

Vielleicht erinnerst du dich an die ein oder andere Situation zurück. Wenn solche Dinge über die konstante Entwicklung des Kindes oder im Jungendalter immer wieder stattfinden, ist das emotionaler Missbrauch ( und ist ein Indiz dafür, dass deine Fürsorgeperson narzisstische Charakterzüge hat).

Auch wenn deine Eltern sich um deine Grundlegenden Bedürfnisse wie ein sicheres zu Hause, genügend Essen, Schuldbildung, finanzielle Sicherheit etc. gekümmert haben, heißt das nicht, dass es nicht trotzdem missbräuchliche Dynamiken gab.

Ganz wichtig: Ich bin mir sicher, dass kein Elternteil das mit Absicht macht und dass Eltern immer mit bestem Wissen und Gewissen handeln und oft auch nur das weitergeben, was sie selbst von klein auf erlebt haben. Es geht hier nicht um Schuldzuweisung oder darum, mit dem Finger auf die bösen Eltern zu zeigen.

Es geht mir darum, dass du verstehst, dass es niemals deine Schuld war, warum du dich heute oft minderwertig fühlst und dass DU IMMER GUT UND RICHTIG WARST. Und dass du Dinge erlebt hast, die nicht okay waren und du Mechanismen entwickelt hast, um damit umgehen zu können.

 

Emotionale Gewalt in Beziehungen

 

  • Dein Partner weist dich ungefragt darauf hin, dass du zugenommen hast oder nicht gut aussiehst.
  • Du bereitest eine kleine Aufmerksamkeit für deinen Partner vor, und er ignoriert sie offensichtlich, anstatt sich zu freuen oder dir Wertschätzung entgegenzubringen.
  • Er kritisiert dich für deine Entscheidungen, dein Aussehen, deine Fähigkeiten
  • Er nimmt sich Dinge raus, die er dir verbietet.
  • Er kontrolliert heimlich dein Handy.
  • Er reagiert aggressiv, wenn du traurig bist.
  • Wenn du mit ihm über etwas für dich Wichtiges sprechen willst, hat er nie Zeit oder Lust oder verlässt den Raum.
  • Er reagiert defensiv, wenn du ihn auf etwas aufmerksam machst, was dich bedrückt.
  • Er gibt dir das Gefühl, es ihm nie recht machen zu können, egal wie sehr du dich anstrengst.
  • Er fordert viel, nimmt viel und gibt wenig.
  • Er hält dir Dinge vor, die du in deiner Vergangenheit vor eurer Zeit gemacht hast und macht dich schlecht dafür.
  • Manchmal ist er liebevoll, aufmerksam und zugänglich und von einem Moment auf den anderen und ohne ersichtlichen Grund kalt, distanziert und „gemein“.
  • Wenn du Gedanken, Ideen oder Dinge mit ihm teilst, macht er dir mit Blicken, Gesten oder Worten unmissverständlich klar, dass er sich dafür nicht interessiert, es nicht Ernst nimmt oder es doof findet.
  • Er fällt dir ins Wort, lässt dich nicht ausreden und hört dir nicht richtig zu
  • Er macht dich für seine schlechte Laune verantwortlich.
  • Dinge, die du für ihn tust, nimmt er als selbstverständlich. Er zeigt wenig Dankbarkeit und Wertschätzung.
  • Wenn er umgekehrt mal was für dich getan hat, will er in den Himmel gelobt werden.
  • Offensichtliche Unstimmigkeiten und wichtige Dinge werden nicht offen und respektvoll angesprochen, sondern unter den Teppich gekehrt, passiv-aggressiv oder durch Ignoriertwerden „gelöst“.
  • Es gibt keine konstruktiven Umgang mit Problemen.
  • An deinem Geburtstag bekommst du nichts, nicht Mal eine Karte.
  • Dinge, die versprochen oder besprochen wurden, versickern einfach im Sand oder es wird bestritten, jemals darüber gesprochen zu haben (Gaslighting, eine Form der emotionalen Manipulation.)

 

Bestimmt fallen dir noch einige weitere Situationen ein. Du merkst, einige Situationen sind sich sehr ähnlich mit den Dynamiken aus der Kindheit und Jugend. Lessons are repeated until they are learnt.

Wenn wir es nicht anders gewöhnt sind, als so behandelt zu werden, merken wir oft gar nicht, dass sich da Dinge wiederholen, die einem eigentlich überhaupt nicht gut tun und dass man VIEL, VIEL BESSERES verdient hat.

 

Wenn du dich jetzt wieder erkannt hast: Herzlichen Glückwunsch, Badass. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

 

Heute ist der letzte Tag, an welchem du als lebendeiger Fußabstreifer durchs Leben gehst. Du hast das Beste von allem verdient, in jeder Hinsicht. Ab jetzt hörst du auf, dich mit Brotkrümeln zufrieden zu geben, cause you deserve a whole damn banquet, Baby.

 

Was sind die Folgen von emotionaler Gewalt?

 

  • das subtile, permanente Gefühl, dass etwas mit dir nicht richtig ist
  • nicht dein volles Potential ausleben aus Angst vor Ablehnung oder Scheitern
  • keine Boundaries, keine klaren Grenzen setzen zu können
  • ein unklares Gefühl darüber, wer du bist
  • weißt oft nicht, was deine Bedürfnisse sind und was du möchtest
  • du fühlst dich nicht wert oder fähig genug, dir das Leben zu kreieren, das du dir wünschst
  • du lachst selten und hast an wenigen Dingen so richtig Spaß
  • du fühlst dich nicht sicher, deinen Platz im Leben einzunehmen und deine Wahrheit zu sprechen
  • du arrangierst dein Leben um die Bedürfnisse anderer Menschen herum und bist ein „People Pleaser“
  • du findest dich immer wieder in dramatischen und toxischen Beziehungen

 

 

Was kannst du jetzt tun, wenn du erkannt hast, dass du bereits viel emotionalen Missbrauch erleben musstest?

 

  • Habe Mitgefühl mit dir selbst. Solche Erfahrungen haben tiefe emotionale Wunden hinterlassen und du hast alles Recht, dich wütend, traurig, hilflos, bestürtzt, alles zusammen zu fühlen. All deine Gefühle diesbezüglich SIND ABSOLUT OKAY UND NACHVOLLZIEHBAR. Und wisse: es war NIE deine Schuld und du warst und bist IMMER GUT GENUG UND GENAU RICHTIG SO!
  • Kümmere dich um dein inneres Kind. Es braucht dich jetzt mehr als je zuvor, Badass. Lies hierzu auch meinen Blogartikel „Wie du dein inneres Kind heilst“ und hold dir meine Meditation „Reise zu deinem inneren Mädchen“ (gibt’s als Geschenk zu meinem Boundary Bootcamp)
  • Lerne Grenzen zu setzen. Überlebenswichtig, Badass. Wenn du weiterhin ohne klare Grenzen durch dein Leben marschierst, wirst du immer wieder als Fußabstreifer benutzt werden. Du kommst nicht drum herum, FELSENFESTE BOUNDARIES zu etablieren. Hol dir als ersten Schritt mein „Boundary Bootcamp“. Hier lernst du, deine Wahrheit zu sprechen und ganz klare Grenzen zu setzen.
  • Committe dich zu dir selbst. DU bist ab heute und für den Rest deines Lebens PRIO NUMBER ONE. Und dann kommt erstmal ne Weile GAR NICHTS. DU bist die Person, mit der du den Rest deines Lebens verbringen wirst und es ist dein GEBURTSRECHT, dich gesund, frei und glücklich zu fühlen. Basta.
  • Suche dir einen guten Tribe. Du brauchst Menschen um dich, die „sicher“ sind, die dir gut tun und die dich immer wieder an deine Großartigkeit erinnern, wenn du es mal vergessen hast. Sortiere aus oder dosiere den Umgang mit Menschen genau, die toxische oder manipulative Verhaltensweisen aufweisen. Und erinnere dich: Blutsverwandschaft ist kein Freifahrtschein für missbräuchliche Verhaltensweisen. Egal ob bewusst oder ubewusst.
  • Lerne, bewusst mit deinen Gedanken und deinen Gefühlen umzugehen. Solche Erfahrungen sind traumatisierend und tief im Zellgedächtnis deines Mind-Body-Systems gespeichert. Es ist Zeit für eine Umprogrammierung deines Denkens, Fühlens und Handelns hin zur Selbstermächtigung und Selbstbestimmtung. Lies dich am Besten durch all meine Blogartikel, hör dir meine Podcasts an, lade dir meine Freebies runter und informiere dich eigenständig über all diese Themen.

 

Du hast alles was du brauchst, um ein freies, unbeschwertes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Egal, was du jemals erlebt hast, Badass.

Du bist hier, um dein Licht zum Strahlen zu bringen. Die Welt braucht dich in deiner Kraft!

Wenn du dir persönliche Unterstützung dabei wünschst, ist mein 1:1 Online-Badass-Training was für dich. Schreib mir gerne für nähere Infos.